Das Ende der großen Versprechen?

Ecrit par Valentina ZAJACKOWSKI

Wie die EmpCo-Richtlinie Claims wie „klimaneutral“ oder „zu 100 % nachhaltig“ ab September 2026 den Riegel vorschiebt und welche Chancen dies für die Nachhaltige Transformation bietet 

Ein Artikel von BAUM e.V. & Apave Climate School


Ob auf Produkten, Websites oder in Werbekampagnen: Seit Jahren prägen Begriffe wie „grün“ oder „umweltfreundlich“ die Kommunikation vieler Unternehmen. Doch mit der neuen Richtlinie Empowering Consumers for the Green Transition (EmpCo) führt die EU eine verbindliche Qualitätssicherung für solche Umweltclaims ein.

Künftig gilt: Wer Nachhaltigkeit behauptet, muss sie auch konkret belegen können.

Diese Entwicklung kommt nicht von ungefähr:

53 % aller Umweltaussagen in der EU enthalten laut der Europäischen Kommission
vage, irreführende oder unbegründete Informationen, während 40 % nicht ausreichend belegt sind.

In den vergangenen Jahren standen vor allem internationale Konzerne wie McDonald’s, Adidas oder Apple wegen mutmaßlichen Greenwashings in der Kritik. Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) etwa warf diesen Unternehmen vor, Verbraucherinnen und Verbraucher mit fragwürdigen Nachhaltigkeitsversprechen in die Irre zu führen. Im Fall von Apple hatte die Bewerbung einzelner Smartwatches als „CO2-neutral“ sogar ein Verbot entsprechender Aussagen zur Folge. 

Was bislang vor allem auf Einzelfallbasis vor Gericht ausgefochten wurde, wird mit Inkrafttreten der EmpCo ab dem 27. September 2026 in der gesamten EU zur verbindlichen Rechtslage. Verstöße können weitreichende Folgen haben: in schweren Fällen drohen Sanktionen von bis zu vier Prozent des Jahresumsatzes. 

Dabei ist die EmpCo kein isoliertes Regelwerk, sondern Teil des European Green Deal, den die EU-Kommission Ende 2019 vorgestellt hatte. Dieser verfolgt das übergeordnete Ziel, Europa bis 2050 zum ersten klimaneutralen Kontinent zu machen. Neben bekannten Instrumenten wie dem europäischen Emissionshandel, dem CO2-Grenzausgleichsmechanismus (CBAM) oder dem Renaturierungsgesetz gehört nun auch die Regulierung von Nachhaltigkeitswerbung zu diesem zentralen Leitfaden der EU. 

Details der EmpCo-Regulierung

Die Grundidee hinter der EmpCo ist einfach: Nachhaltiger Konsum kann nur funktionieren, wenn Kaufentscheidungen auf Basis transparenter und verlässlicher Informationen getroffen werden können.

Genau hier setzen die neuen Vorgaben an, die sämtliche Formen der Unternehmenskommunikation betreffen: von Verpackungen, Produktkennzeichnungen und Websites bis hin zu Werbung, Social Media und PR-Materialien. Fortan dürfen Unternehmen Umwelt- und Nachhaltigkeitsclaims demnach nur noch dann verwenden, wenn diese auch faktisch nachweisbar sind. Diese Regelungen gelten ab dem 27. September 2026, ohne Übergangsfristen für bereits produzierte oder im Umlauf befindliche Produkte.

In Deutschland ist die Richtlinie mit einer entsprechenden Änderung des Gesetzes gegen den unlauteren Wettbewerb (UWG) verankert. Zu den wichtigsten Anwendungsbereichen gehören dabei:

Verbot von allgemeinen Umweltaussagen und Social Washing

Begriffe wie „nachhaltig“, „grün“ oder „umweltfreundlich“ dürfen künftig nur noch verwendet werden, wenn sie auf einer nachweisbaren, anerkannten hervorragenden Umweltleistung des beworbenen Produkts beruhen. Auch Aussagen zu sozialer Verantwortung und Fairness müssen nachvollziehbar belegt werden.

Verbot kompensationsbasierter Klimaneutralitätsclaims

Aussagen wie „klimaneutral“ oder „CO2-neutral“ sind unzulässig, wenn sie ausschließlich auf externen Kompensationsmaßnahmen wie Waldschutz- oder Aufforstungsprojekten beruhen.

Strengere Anforderungen an Siegel und Labels

Nachhaltigkeitslabels dürfen nur noch verwendet werden, wenn sie auf staatlich anerkannten Systemen oder unabhängigen Zertifizierungsverfahren basieren. Unternehmenseigene oder nicht von unabhängigen Dritten verifizierte Zeichen sind nicht mehr zulässig.

Nachweispflicht für Zukunftsversprechen

Wer mit Zielen wie „Netto-Null bis 2030“ wirbt, muss einen konkreten, öffentlich zugänglichen Umsetzungsplan vorlegen und die Fortschritte regelmäßig unabhängig überprüfen lassen.

Risiken & Chancen

Die EmpCo-Richtlinie stellt Unternehmen und Zertifizierungsorganisationen vor die Aufgabe, ihre Nachhaltigkeitskommunikation kritisch zu hinterfragen. Bestehende Claims, Siegel und Werbeaussagen müssen daher auf den Prüfstand gestellt werden, um Greenwashing-Vorwürfe und rechtliche Konsequenzen zu vermeiden. Wer hingegen heute schon handelt, kann aus der EmpCo sogar echte Wettbewerbsvorteile ziehen. Die folgende Übersicht fasst die wichtigsten Risiken und Chancen zusammen.

⚠ Risiken bei Untätigkeit

 

Umsatzstrafen
Verstöße können mit Bußgeldern von bis zu 4 % des Jahresumsatzes geahndet werden. Zudem droht der Ausschluss von öffentlichen Vergabeverfahren.

 

Abmahnungen & Reputationsschäden
Verbraucherschutzorganisationen und Wettbewerber können irreführende Umweltaussagen rechtlich angreifen. Greenwashing-Vorwürfe können den Markenwert nachhaltig beeinträchtigen. 

 

Verlust von Arbeitgeber- und Unternehmensattraktivität 
Unternehmen, die weiterhin auf fragwürdige Umweltaussagen setzen, riskieren Attraktivitätsverluste bei Fachkräften, Geschäftspartnern, Kundinnen und Kunden.

✓ Chancen für Vorreiter

 

Mehr Vertrauen und Glaubwürdigkeit 
Wer transparent und nachvollziehbar kommuniziert, hebt sich positiv vom „Green Noise“ am Markt ab. 

 

Zukunftssichere Markenkommunikation
Eine datenbasierte und belegbare Nachhaltigkeitskommunikation stärkt das Markenimage und reduziert regulatorische Risiken. 

 

Wettbewerbsvorteile im Markt
Nachweisbar nachhaltige Produkte und Dienstleistungen werden für B2B- und B2C-Kund:innen in ihrer Attraktivität gestärkt. 

Bedeutung für Unternehmen

 

Mit der EmpCo rückt die tatsächliche Nachhaltigkeitsleistung ins Zentrum. Statt isolierte Claims rechtlich abzusichern, stellen systemisch agierende Unternehmen ihre gesamte Kommunikation auf Grundlage belastbarer Daten, Lebenszyklusanalysen, Scope-3-Erfassungen und wissenschaftsbasierten Klimazielen neu auf. So entsteht ein kohärentes Gesamtbild, das Glaubwürdigkeit schafft und die strategische Ausrichtung insgesamt stärkt.  

Das Ausmaß der Richtlinie geht dabei weit über die Außendarstellung von Organisationen hinaus. Um belastbare Nachweise zu liefern, müssen Nachhaltigkeitsaspekte konsequent in interne Strukturen wie Produktentwicklung, Einkauf und Controlling integriert werden. Gleichzeitig steigt die Bedeutung transparenter Lieferketten: Kenntnisse über vorgelagerte Emissionen, soziale Standards und Ressourcennutzung werden zum Wettbewerbsfaktor. So wirkt die Richtlinie indirekt als Treiber für bessere Datenqualität und tiefere Wertschöpfungsanalysen.  

Auch den „Siegeldschungel“ dürfte die EmpCo deutlich lichten. Dies kommt nicht nur Kundinnen und Kunden, sondern auch dem Einkauf und der Beschaffung von Unternehmen zugute: Nachhaltigkeitsleistungen werden einfacher vergleichbar, während irreführende Vereinfachungen an Relevanz verlieren. 

Von diesen Entwicklungen profitieren besonders Pionierunternehmen, die seit Jahren in verlässliche Datensysteme, unabhängige Prüfungen und ernsthafte Transformationspfade investieren. Die EmpCo stärkt damit Akteure im Markt, die bereits operativ überzeugen und deren Nachhaltigkeitsleistung auf Substanz statt Versprechen beruht. Kurz gesagt: Unternehmen, die sowohl bei Fortschritten als auch bei Zielkonflikten und Unsicherheiten auf transparente Kommunikation setzen, können nachhaltiges Vertrauen aufbauen und sich von reinen claimgetriebenen Botschaften abheben. 

 

Greenwashing vermeiden: Warum gezielte Schulungen von Mitarbeitenden jetzt entscheidend sind

 

In den meisten Fällen entsteht Greenwashing nicht aus böser Absicht. Häufig fehlt Mitarbeitenden schlicht das nötige Grundlagen- oder Detailwissen, um Nachhaltigkeitsaspekte korrekt einzuordnen und verständlich zu kommunizieren. Wer die Hintergründe der Nachhaltigen Transformation nicht kennt, läuft schnell Gefahr, unpräzise, missverständliche oder nicht ausreichend belegte Aussagen zu treffen. 

Dabei sind die Herausforderungen vielfältig: Wer und was genau verursacht den Klimawandel? Welche Rolle spielen Unternehmen dabei? Wo entstehen die größten Emissionen im eigenen Geschäftsmodell: im Unternehmen selbst, in der Lieferkette oder bei der Nutzung von Produkten und Dienstleistungen? Und welchen konkreten Beitrag kann jede einzelne Person im Arbeitsalltag leisten? 

Gerade die EmpCo-Richtlinie macht deutlich, dass Nachhaltigkeitskommunikation eine unternehmensweite Aufgabe von strategischer Bedeutung ist. Marketing, Vertrieb, Einkauf, HR, Management sowie Kommunikations- und Produktteams müssen ein gemeinsames Verständnis dafür entwickeln, was die Nachhaltige Transformation bedeutet und wie entsprechende Aktivitäten transparent und regelkonform kommuniziert werden können. 

Unser Kurs „Greenwashing vermeiden“ vermittelt die Grundlage hierfür auf praxisnahe und verständliche Weise. Die Schulung schafft eine gemeinsame Wissensbasis für alle Teams und befähigt Mitarbeitende, Nachhaltigkeitsleistungen auf fundierte und selbstbewusste Weise zu kommunizieren. So können Risiken minimiert, Vertrauen aufgebaut und die Anforderungen der neuen Regulierung souverän erfüllt werden. 

Mit diesem kostenfreien & unverbindlichen Zugangslink geht es zum vollständigen Kurs.

Fazit

 

Die EmpCo-Richtlinie fordert von Unternehmen vor allem eines: Substanz statt Schlagworte. Nachhaltigkeitsaussagen müssen künftig transparent und belegbar sein. Dies schafft mehr Klarheit im Markt und setzt einen neuen Standard für den Umgang mit Sozial- und Nachhaltigkeitsversprechen. Gleichzeitig bietet die Regulierung die Chance, Nachhaltigkeit nicht nur zu kommunizieren, sondern konsequent in der Unternehmenskultur zu verankern.

Dafür braucht es mehr als neue Prozesse und Richtlinien. Entscheidend ist, dass Mitarbeitende in allen Bereichen die Grundlagen der Nachhaltigen Transformation verstehen und sicher einordnen können. Denn nur auf Basis von Wissen entstehen Kommunikation, Entscheidungen und Maßnahmen, die einer kritischen Prüfung standhalten.  

Davon profitieren letztlich alle Beteiligten: Unternehmen schaffen Vertrauen durch Transparenz und faktenbasierte Aussagen, Kundinnen und Kunden erhalten eine verlässlichere Grundlage für ihre Kaufentscheidungen und die Ziele des European Green Deal werden wirksam vorangetrieben. 

Bonus: Erhalten Sie schon heute eine erste Einschätzung Ihrer EmpCo-Konformität mit dem KI-basierten EmpCo-Richtlinie-Check von WeShyft.